Das Zürcher Architekturbüro Nopai schöpft aus einem reichen Materialfundus und aus wechselnden Kollaborationen. Ein Besuch bei Sammlern.
Wilde Karte #07 Finalist: Nopai
Das Atelier von Nopai in einem Hinterhof im Zürcher Kreis 3 ist eine bemerkenswerte Arbeitsstätte für ein Architekturbüro, dessen Gründung erst zweieinhalb Jahre zurückliegt: Die Ablageflächen auf den vollgestopften Bücherregalen sind über und über mit Modellen, Skulpturen, Figuren, Materialmustern und Kleinkram bedeckt, und an den hohen Wänden überlagern sich Skizzen, Gemälde und Fotos. Auf den Tischen reiht sich Modell an Modell. Ist hier jemand von einem Sammelwahn besessen? Lisa Mäder gibt Entwarnung. Vieles gehöre ihrem Vater, der hier jahrelang sein Architekturbüro hatte und den Raum heute als Malatelier nutzt. Nun vermischen sich die Generationen: Lisa Mäder und ihr Büropartner Hubert Holewik breiten sich in dem kreativen Chaos allmählich aus, behängen die letzten freien Stellen an den Wänden, füllen die Lücken auf den Regalen. An einem freigeschaufelten Tischende findet die Mitarbeiterin Platz, die Nopai seit einiger Zeit verstärkt. Der Büroname, erklärt Mäder, stehe denn auch für einen kreativen Raum wie diesen, einen Raum, der Experimente und Austausch ermögliche.


Mäder und Holewik lernten sich im Studium an der ETH Zürich kennen und trafen sich einige Jahre nach dem Abschluss bei Schmidlin Architekten in Zürich wieder. Dort arbeiteten sie zusammen an Wettbewerbsprojekten und merkten rasch: Das funktioniert! 2022 wagten sie den Schritt in die Selbständigkeit.

Beflügelnde Kooperationen
Die beiden sind ein eingespieltes Team. Sie hören einander aufmerksam zu, ergänzen sich und stehen abwechslungsweise auf, um zielsicher einen Gegenstand aus den Untiefen ihrer Architektenwunderkammer hervorzuholen. Beispielsweise den gerade erst erschienenen Jurybericht zum selektiven Studienauftrag ‹Freiraum Rosental Mitte› in Basel, bei dem Nopai als Teil einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus Architektinnen, Landschaftsarchitekten, einem Urbanisten und einem Soziologen, mitgemacht hat. Die Zusammenarbeit in verschiedenen Konstellationen, das merkt man schnell, beflügelt Holewik und Mäder. Als eins von drei Büros in der Arbeitsgemeinschaft Pros da God bauen sie zurzeit drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 19 preiswerten Eigentumswohnungen für Einheimische in Pontresina. Verputztes Einsteinmauerwerk, Balkone aus naturbelassenem Lärchenholz und Reminiszenzen an die lokale Handwerkskunst zeugen von hohen Qualitätsansprüchen trotz kleinem Budget.

Überhaupt ist das Wohnen eins der grossen Themen von Nopai. In Zürich-Altstetten planen sie derzeit die Sanierung und Aufstockung eines bescheidenen Mehrfamilienhauses aus den 1980er-Jahren. Die bestehenden Wohnungen bringen sie durch wenige Eingriffe wieder in Schuss; ein neuer Liftkern garantiert künftig für Erdbebensicherheit, neue Fenster verbessern die Energiebilanz. Ungleich auffälliger als all das ist die zweigeschossige Aufstockung. Einem übergrossen Hut gleich, sitzt der Holzelementbau mit spitzem Dach und gewellter Metallfassade selbstbewusst auf dem alten Dach. Die Fassade darunter lassen Nopai mitsamt dem zeittypisch groben und rot gestrichenen Verputz bestehen. Es gehe darum, sich auf das Vorhandene einzulassen, um den Dialog zwischen Alt und Neu, um die Aufstockung als würdigen Abschluss. «Learning from the 80s!» Und einmal mehr geht Holewik zu einem Regal, um aus dem Bücherschatz des Ateliers einen Band über die Architektur der Achtzigerjahre hervorzuzaubern.

